USHUAIA IN QUARANTÄNE


  • Abril 13, 2020
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USHUAIA IN QUARANTÄNE

USHUAIA IN QUARANTÄNE

 

Von Katharina Wittmann

 

So, Ihr kennt das ja schon: Ich bin dann mal für ein paar Monate weg (am arbeiten) und melde mich dann aber wieder. Diese Saison hatte ich wieder drei Reisen zu betreuen. Eine davon war ja schon im November und davon habe ich ja auch schon berichtet. Und im Januar / Februar 2020 waren dann meine nächsten zwei Reisen als Reiseleiterin angesagt. Nach unseren ereignisreichen Tagen in Puerto Raul Marín Balmaceda fuhren wir relativ zügig (für unsere Verhältnisse) nach Coyhaique zum dortigen Flughafen und ich machte mich Richtung Santiago auf, um meine letzten zwei Gruppen in Empfang zu nehmen. Ich mache den Job ja total gerne und auch bei meinen diesen Reisen hatte ich wieder ein Mal Glück und es waren zwei nette Gruppen, die mir das Leben nicht schwer gemacht haben. Ich muss echt sagen, wir hatten zwei tolle Reisen; eine durch ganz Chile, mit Puerto Varas, Pucón und Teilen der Carretera Austral und die andere Reise wieder Chile und Argentinien. Je öfter ich diese Reisen betreue, desto schöner finde ich sie irgendwie! Es sind einfach auch zwei unglaublich tolle Länder – zumindest landschaftlich (politisch halte ich mich da mal zurück 😉

Und, ja, mit der ersten Gruppe habe ich tatsächlich Milton und Bagual getroffen und zwar in Cerro Castillo auf der Carretera Austral. Mit der zweiten Gruppe haben wir uns dann nochmal in Natales gesehen. Ja, es war wirklich nicht geplant!!! Hat uns aber sehr gefreut, uns zwischendurch kurz zu sehen.

Vielen Dank an Meli und Anne, die fast einzig in Santiago zurückgebliebenen aus unserer Mädelsgruppe, die mir während des kurzen aber nötigen Aufenthalts in der Hauptstadt Unterkunft gegeben haben!

In Buenos Aires habe ich Anfang März die letzte Gruppe an den Flughafen gebracht und bin selber am gleichen Tag noch nach Ushuaia geflogen, wo mich Milton vom Flughafen abgeholt hat. Ich habe mich so gefreut! Und dieses Mal war der Bus nicht in einer Werkstatt und wir mussten nicht im Haus des Mechanikers übernachten wie letztes Mal, in Puerto Montt. Ich hatte einfach nur Lust zu Wandern und endlich zu den “Dientes de Navarrino” zu fahren und diese zu umwandern. Das ist eine Berggruppe, die man in einer ungefähr fünftägigen Wanderung auf der Insel Navarrino, südlich von Ushuaia (einmal über den Beagle-Kanal) zu Fuß und mit Zelt und mitgebrachtem Essen umrundet. Diese noch sehr ursprüngliche Natur und eine sehr selten begangene Wanderroute weckten schon seit mehr als einem Jahr mein Interesse. Die ersten Tage in Ushuaia waren auch wunderschön. Wir besuchten Marcela und Jorge (die ich von meiner Arbeit her kenne) und machten einige kleinere Wanderungen zur Einstimmung (entlang der Beagle-Kanal- Küste, zur Laguna Turquesa, zum Gletscher Martial).

 

Ein traumhafter Weg führt direkt am Beagle Kanal entlang. Mit Glück kann man Buckelwale, Kondore, Spechte und viele andere heimische Tiere beobachten.

 

Und dann kam der Coronavirus. Die Grenzen wurden geschlossen; Ausgangssperre, nur noch einkaufen und Arztbesuche waren erlaubt seit dem 19. März.  Adiós, Dientes de Navarrino! Meine heiß ersehnte Wanderung am Ende der Welt kann ich jetzt vergessen. Aber ich muss meine Enttäuschung in Grenzen halten. Jeden Tag sterben weltweit tausende Menschen an dem Virus, ich bin dankbar gesund zu sein.

 

Die ersten Tage am Flughafen mit Blick auf Ushuaia und den Gletscher Martial.

 

Ursprünglich war unser Lagerplatz ganz in der Nähe des Flughafens. Keine gute Idee in einer Zeit der Epidemie. Wir verlagerten unseren Standort deshalb nach einer Woche zu einem öffentlichen und kostenlosen Campingplatz ungefähr fünf Kilometer westlich von Ushuaia, zusammen mit Victor und Susan, chilenischen Freunden, die Milton in Cerro Castillo kennengelernt hatte. Wie oft bin ich an diesem Campingplatz schon mit meinen Gruppen vorbeigefahren? Unzählige Male. Und jetzt sind wir hier für unbestimmte Zeit, direkt vor diesen zwei Bergen, die ich vom Bus aus immer so bewundert habe. Des Weiteren sind noch ein österreichisches Pärchen anwesend und ein älteres Ehepaar aus Buenos Aires. Alle parken in gebührendem Abstand zu allen anderen. Wir halten uns an die Quarantäne, den Mindestabstand, das Reiseverbot und fahren nur nach Ushuaia, um das nötigste einzukaufen. Im Supermarkt herrscht kein Notstand, es gibt alles, die Menschen gehen respektvoll miteinander um und jeder hält den Mindestabstand ein. Ich nutze die Gelegenheit und fahre ab und zu mit dem Fahrrad zum Einkaufen, da ich mich gerne ein bisschen fit halten möchte. Unsere Situation ist privilegiert. Wir teilen den Campingplatz mit nur wenigen anderen, können uns daher relativ viel bewegen, ohne gegen die Quarantäne zu verstoßen. Ich gehe oft angeln – und der lohn meiner Arbeit war eine Forelle, die ich aus dem Río Pipo ziehen konnte. Die Lengas – eine der drei hier vorkommenden Scheinbuchenarten –  verfärben sich langsam ins rötliche und die Tage werden kürzer und kälter. Die Polizei kommt jeden Tag vorbei und sieht nach dem Rechten. Alle vier auf dem Campingplatz heimisch gewordenen Familien kümmern sich, ob es den anderen gut geht oder an etwas fehlt. Die Österreicher wissen, dass ich gerne für Übersetzungen bereit stehe, sollte es Verständigungsprobleme mit der Polizei geben. Es gibt einige freundliche Pferde, denen wir und die uns Gesellschaft leisten.  “Patitas” ist uns besonders ans Herz gewachsen. Bernabé, ein Ushuainer der früher selbst viel gereist ist kam bis zur Quarantäne täglich vorbei um uns Feuerholz zu bringen. Die Welt ist voll von hilfsbereiten Seelen.

 

Unser zweiter Lagerplatz in Ushuaia: Ein schöner Campingplatz, den wir mit wenigen, ebenfalls Gestrandeten, teilten. Victor und Susan mit ihrem Bus; Patitas wollte auch aufs Bild. 

 

Die einzige Sorge ist das Wetter. Auch, wenn die jetzigen Tage angenehm waren, die Sonne uns sogar erlaubt hat Brot im Solarkocher zu backen, man spürt den kalten Wind und der momentane Schnee, der die Berggipfel in der Nacht überzuckert, bleibt unter tags immer länger liegen und kommt immer näher. Es wird Winter. Und, auch wenn ich Ushuaia liebe, ich möchte nur ungerne einen Winter im VW-Bus dort verbringen.

Und trotzdem geht das Leben weiter: Meinen Geburtstag verbrachte ich mit Milton, Birgit (vom österreichischen Team) und Patitas. Es war ein sehr kühler und regnerischer Tag, aber Milton brutzelte ein Stück Fleisch auf unserem improvisierten Grill und bereitete daraus leckere Minisandwich zu. Patitas wollte auf allen Fotos anwesend sein und lockerte die Stimmung mit seiner Anwesenheit sehr auf. Es war wieder einmal ein besonderer Geburtstag.

 

 

Geburtstagsfeier mal anders – in Quarantäne und mit Patitas – lustig war’s!

 

Gerade wird die Nachricht von der Polizei überbracht, dass die Ausgangssperre noch bis Ende April verlängert wird. Gut, das war abzusehen. Victor und Susan konnten eine Ausnahmegenehmigung bei der Polizei bekommen und sind Richtung Chile losgefahren.

Was machen wir? Wie lange bleiben wir noch hier? Wie wird sich das Wetter entwickeln?

 

 

 

 

Comments (2)

Anne

14 Abril, 2020 <i class="fa fa-mail-reply"></i> Reply

Hallo ihr Abenteurer, sind immer wieder fasziniert von deinen Berichten, liebe Katharina, was ihr erlebt, wie ihr schwierige Situationen meistert und Gleichgesinnte zusammenhalten! Happy birthday nachträglich und halt dich fern von Covid 19. Liebe Grüsse aus Berlin von Reiner und Anne

    admin

    7 Mayo, 2020 <i class="fa fa-mail-reply"></i> Reply

    Hallo Ihr zwei Lieben!
    Ich freue mich, dass Ihr meine Blogs liest! Vielen Dank für die Glückwünsche! Ich hoffe, es geht euch gut!
    Liebe Grüsse aus Feuerland!
    Kathi

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