RÜCKBLICK IV – Puerto Fuy und Panguipulli


  • Junio 12, 2019
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RÜCKBLICK IV – Puerto Fuy und Panguipulli

RÜCKBLICK IV Puerto Fuy und Panguipulli

 

Von Katharina Wittmann

 

Die Zeit bei Edelweis war intensiv. Sie ist eine echte Persönlichkeit. Milton und ich waren uns einig, dass wir jetzt gerne irgendwohin wollten, wo wir keinen direkten Kontakt zu Menschen hätten. So komisch das auch klingen mag, aber wir brauchten echt unsere Ruhe. Unsere Route führte uns über einen Abstecher an den Lago Calafquén in das Dörfchen Neltume und von dort aus nach Puerto Fuy (Punkt 54 auf der Karte). Puerto Fuy ist ein ca. 400-Einwohner Dorf und liegt am Lago Pirihueico. Das Dorf besteht aus ein paar kleineren Hotels, einigen Tante-Emma Lädchen, und dem Hafen. Es gibt eine Fähre die drei Mal täglich Anwohner, Touristen, Autos und Lastwagen über den länglichen Pirihueico – See in das noch kleinere Dörfchen Puerto Pirihueico am anderen Ende des Sees befördert. Von dort aus gibt es dann nur noch einen Feldweg, der nach Argentinien führt.

 

Lago Pirihueico mit dem Vulkan im Hintergrund

 

Wir parkten Bagual auf einer Waldwiese ein bisschen oberhalb der letzten Häuser von Puerto Fuy. Das war ein guter Platz. Wir waren ungestört, konnten zu Fuß ins Dorf laufen um einzukaufen und hatten mit unseren Handys Internetempfang. Auf der Wiese grasten ein paar Ochsen, die ab und zu von ihren Besitzern geholt wurden, um in den anliegenden Wäldern und im Sägewerk Baumstämme zu bewegen. Wir bauten das Vordach vom Bus mit allen Seitenteilen auf, denn es war Regen angekündigt. Da wir weiterhin mit Dragón, unserem Raketenofen kochen wollten, sammelten wir einen Haufen trockener Äste und Hölzer unter dem Vordach. Jetzt waren wir für das herbstliche Puerto Fuy gerüstet. Wettermäßig war alles dabei, Regen, Sonne, Nebel, Wind. Bagual und wir überstanden alles sehr gut. Wir kochten jeden Tag mit Dragon und sammelten an den schönen Tagen noch ein bisschen mehr Feuerholz. Ich machte Pfannenkuchen und Pizza um ein bisschen Abwechslung von Bohneneintopf und Reis zu bekommen. Und was soll ich sagen, das Geschmacksfest eine Pizza zu essen, nach mehreren Monaten ohne, lässt sich mit Worten nicht beschreiben.

 

Bagual mit Vordach voll installiert

 

An einem Sonnentag wagte ich die Fahrt auf der Fähre über den Lago Pirihueico. Bis zur Ankunft in Puerto Pirihueico dauerte es ca. eineinhalb Stunden. Und in Puerto Pirihueico sind die Freizeitmöglichkeiten auch etwas begrenzt. Ein kleines Café das es dort gab hatte geschlossen (es war schon außerhalb der Reisezeit) und das einzige, was man machen konnte um die eine Stunde zu überbrücken, bis die Fähre wieder nach Puerto Fuy ablegen würde, war, ein paar Meter in Richtung argentinische Grenze zu laufen. Das Tolle insgesamt an dem Ausflug war die Fahrt entlang des Sees, immer mit Blick auf die beiden von weitgehend naturbelassenem Wald bewachsenen Ufern. Ein sattes Grün, das vom dunklen Grün des Sees und vom strahlend freundlichen Blau des wolkenlosen Himmels eingerahmt wurde. An diese Orte fährt man nicht wegen geschichtlich wertvoller Gebäude oder tollen Restaurants. Hier ist die Natur der Star. Und nicht nur an den sonnigen Tagen. Der Süden Chiles muss in allen Wetterlagen erlebt werden. Und jetzt im Herbst überwiegen die bewölkten und regnerischen Tage.

 

Das herbstliche Grün ist ein Traum

 

Wir verbrachten insgesamt zwei Wochen in Puerto Fuy. An den regnerischen Tagen arbeiteten wir an einem unserer (noch nicht veröffentlichten) Projekte, ich strickte Mützen aus der Schafwolle von Edelweis, wir kochten, fischten (ohne Erfolg), wanderten und versuchten uns darüber klar zu werden, dass der Winter vor der Tür stand. Der Vulkan Mocho-Choshuenco der das Landschaftsbild von Puerto Fuy und Umgebung prägt, war schon gut bis zur Hälfte mit Schnee bedeckt.

Auch hier verbrachten wir eine schöne Zeit. Aber ich hatte immer noch keinen Laptop und fühlte mich sehr eingeschränkt, an der Homepage weiterarbeiten zu können. Und am Bus stimmte auch nicht alles. Das Anlassen gestaltete sich schwierig, irgendetwas war mit dem Startmotor nicht in Ordnung. Wenn er dann lief und der Motor schon warm war und man mit wenig Umdrehungen im ersten Gang fuhr (zum Beispiel an einer Ampel oder generell innerhalb einer Stadt), schaltete sich der Motor unvermittelt ab. Und dann musste man ungefähr fünf Minuten warten, bis das angesammelte Benzin im Vergaser  verdampft war und erst dann bewegte sich Bagual wieder weiter. Ehrlich gesagt, das war höchst unangenehm immer mitten in Kreuzungen oder an Ampeln den ganzen Verkehr zu blockieren. Während wir fest an einem Ort parkten, war das nicht so schlimm, aber wenn wir unterwegs waren störte das sehr.

Also auf nach neuen Ufern, es geht immer weiter, an Arbeit fehlt es nicht!

 

Unser Weg führte uns nach Panguipulli, nahe des Lago Panguipulli. Dort wollten wir unseren Lebensmittelvorrat aufstocken. In diesen kleinen Dörfern wie Puerto Fuy gibt es immer sehr wenig Auswahl, oft nichts Frisches und alles sehr teuer. Es war auch nötig, einen Blick in den Motor unseres Busses zu werfen, um vielleicht das Anlass- und Ausschalt-Problem zu beheben. Einzukaufen war kein Problem, es gab eine sehr große Auswahl an verschiedensten Geschäften und sogar Supermärkten. Um den Motor zu untersuchen brauchten wir aber einen ebenen Platz, am Besten überdacht, an dem wir mehrere Tage ungestört werkeln und auch wohnen konnten. Irgendwie fanden wir nichts Richtiges außerhalb von Panguipulli und so landeten wir schließlich bei Carlos Monsalve einem ehemaligen Automechaniker. Er vermietet jetzt ein paar Ferienwohnungen und verkauft Autoersatzteile. Er bot uns einen Parkplatz zum arbeiten an. Wir entschieden uns, eine seiner über dem Parkplatz liegenden Ferienwohnungen für zwei Tage zu mieten um ungestört am Motor arbeiten zu können und uns am Abend eine Dusche gönnen zu können. Nach einigem Fachsimpeln mit Carlos über die möglichen Ursachen des Startproblems des Busses kamen er und Milton zu dem Ergebnis, dass der Startmotor ausgebaut werden musste. Wir mussten ein kleines Kupferröhrchen austauschen, das den Startmotor in Position hält. Dieses Ding saß aber so fest, es wollte nicht rauskommen. Viele Diskussionen und Telefonate mit unserem Mechaniker des Vertrauens in Santiago später war klar, dass wir den kompletten Motor ausbauen mussten, um das Röhrchen entfernen zu können.

 

Eine Hiobsbotschaft. Wir hatten den Motor das letze Mal im November letzten Jahres ausbauen müssen, als wir die Panne wegen Überhitzung auf dem Weg nach Santiago hatten. Da waren wir aber in der Werkstatt bei Renato, unserem Mechaniker. Selbst hatten wir den Motor noch nicht ausgebaut. Außerdem braucht man dafür einen speziellen Wagenheber, und den hatten wir nicht. Milton trieb irgendwo im Keller von Carlos so einen Wagenheber auf, ich weiß auch nicht, aber das war echt Glück. Der war natürlich verdreckt und auch halb kaputt, die Rollen haben nicht gut funktioniert, aber wir hatten keine Wahl. Zusammen bauten Milton und ich den Motor mit vereinten Kräften aus. Dann konnte Milton dieses ominöse Kupferröhrchen ausbauen und austauschen. Er baute auch den Startmotor auseinander, säuberte ihn und baute ihn wieder zusammen. Schlußendlich montierten wir den Startmotor und den Motorblock wieder ein und waren fix und alle. Aber das Wichtigste: Es funktionierte. Zumindest sprang der Motor leichter an und machte weniger Besorgnis erregende Geräusche. Für eine Testfahrt um herauszufinden ob sich der Motor dadurch auch nicht mehr von selbst ausschaltete, hatten wir an diesem Tag keine Energie mehr. Es war spät und wir hatten den ganzen Tag am Motor gewerkelt. Wir wollten nur noch duschen und schlafen. 

 

Das erste Mal bauen wir den Motor selbst aus. 

 

Am nächsten Tag brachen wir aus Panguipulli auf und campten am Ufer des Lago Riñihue. Wir merkten deutlich den Unterschied. Jetzt funktionierte der Startmotor besser. Zur Sicherheit hatten wir die Starterbatterie auch nochmal in Panguipulli aufgeladen gehabt. Aber das Problem, dass sich der Motor bei geringen Umdrehungszahlen im ersten Gang gerne ausschaltete bestand weiterhin und besorgte und. Aber im Moment konnten wir daran nichts ändern. Wir waren an keinem geeigneten Ort, um größere Reparaturen durchführen zu können. Als wir am Lago Riñihue ankamen waren dort schon zwei schweizer Pärchen mit ihren Campingwägen stationiert. Wir redeten ein bisschen, aßen zusammen zu Abend und tranken ein paar Bierchen. Milton trank vielleicht ein paar mehr und auch ein bisschen Wein und Whisky, aber so genau konnte er sich am nächsten Morgen nicht mehr erinnern. Wir mussten noch eine Nacht bleiben, weil der Pilot nicht flugtauglich war. Die Schweizer fuhren nach der ersten Nacht weiter und da sie ihre Angel nicht mehr brauchten, schenkten sie sie mir!! Oh, ich freute mich sehr, endlich eine richtige Angel! Ich hatte keine Ahnung, wie sie funktionierte, aber für was gibt es denn YouTube…

Leider stellten wir auch fest, das an diesem wirklich schönen Plätzchen sehr viele Ratten wohnten und natürlich alles Neue –  so auch den Bus – sehr interessant fanden. Ich wollte deshalb auch nicht länger hier bleiben, sondern gerne an einen anderen Ort weiterziehen. 

 

 

 

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