RÜCKBLICK II (Februar / März 2019)


  • Junio 05, 2019
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RÜCKBLICK II (Februar / März 2019)

RÜCKBLICK II (FEBRUAR / MÄRZ 2019)

 

Von Katharina Wittmann

 

Die Reise geht weiter (oder: Ich bin noch gar nicht richtig angekommen.)

Wieder back on the road fuhren wir nach Malalcahuello zu Peter (Punkt 39 in der Landkarte). Milton hatte Peter während meiner Reisezeit kennengelernt. Peter hatte ein kleines Café namens “Augsburg” in Malalcahuello, dazu ein Haus und ein großes Grundstück mit Ñirre (das sind wunderschöne Scheinbuchen). Wir parkten auf einer Wiese in einer Nische zwischen den Ñirres und blieben ungefähr zwei Wochen. Wir halfen Peter und seiner Frau Lilo beim Unkraut jäten. Wobei “Unkraut” in diesem Fall ca 3-5 Meter hohe “Quila” -so Art Bambuspflanzen sind, die man mit einer Säge absägen muss. Ansonsten erkundeten wir mit Oliver (Peters Sohn) und dessen Freundin Rachel die wunderschöne Umgebung. Alles war grün, Araukarien, Ñirre, Roble, viel viel unberührte Natur. Mit Rachel machte ich auch einen Ausflug auf den Vulkan Lonquimay, das war ein sehr schöner Tag.

 

Ein märchenhafter Araukarienwald mit Wasserfall.

 

 

Stolz auf meinen zweiten Vulkan – mit Rachel auf dem Lonquimay (2856 m)

 

Während unserer Zeit bei Peter stellte ich jedoch leider fest, das mein Laptop nun endgültig den Geist aufgegeben hatte. Es war nichts mehr zu machen. Aber gut, ich hatte ihn, glaube ich an die acht Jahre. Trotzdem, ich denke immer, dass die Dinge ewig halten und ärgere mich, wenn etwas kaputt geht. Da wir nicht in der Nähe einer großen Stadt waren, konnte ich auch keinen neuen Laptop kaufen. Ich versuchte also erstmal dem Laptopproblem nicht so viel Wichtigkeit zu geben… 

Unsere Zeit bei Peter und Lilo war sehr schön, in atemberaubender Natur. Ich war trotzdem immer noch nicht richtig angekommen. Von den drei Reisen, immer auf Achse, immer hopphopp, in Hotel und Restaurants wieder in den Bus, das war irgendwie noch nicht bei mir angekommen. 

 

Villarica und Pucón

Als nächstes wollten wir uns Villarica und Pucón anschauen. Auf dem Weg dorthin machten wir auf einem Grundstück halt und baten die Eigentümerin eine Nacht bleiben zu dürfen. Das war auch kein Problem. Milton hatte etwas Komisches an den Bremsen des Busses bemerkt und stellte fest, das Bremsflüssigkeit aus einem Kabel rechts hinten austrat. Wir brauchten einen Mechaniker. Am nächsten Tag fuhren wir nach Pucón (und hofften, die Bremsen würden bis dahin noch gnädigerweise funktionieren), aber es war Freitagabend und es war schon alles zu. Bis Montag würden wir keinen Mechaniker finden können. Wir machen es uns auf dem Parkplatz eines Supermarktes “gemütlich” und bereiteten uns mental darauf vor, das Wochenende dort zu verbringen um, am Montag einen Mechaniker aufsuchen zu können. Dann bekam Milton über Instagram eine Einladung von Wallis aus Pucón. Wir kannten Wallis und ihren Mann Nelson flüchtig von einem Treffen “Reiselustiger” in Santiago. Wallis und Nelson luden uns also ein, den Bus im Garten zu parken und im Haus zu schlafen. Wir nahmen die Einladung gerne an, der Parkplatz war wirklich nicht sehr nett um das Wochenende dort zu verbringen. Milton beschloss dann auch, dass der Mechaniker nicht gebraucht werden würde und er selbst die Reparaturen der Bremsen vornehmen würde. Wir bestellten die Ersatzteile in Santiago. 

Wallis und Nelson, ja, diese Familie ist auch ein Kapitel für sich. Sie luden uns wie gesagt ein, waren jedoch selbst gerade dabei eine längere Reise für mindestens ein Jahr mit ihren drei Kindern anzugehen. Sie machten das aber komplett anders als Milton und ich. Wo Milton und ich schon seit Monaten Vorbereitungen getroffen hatten, war hier noch alles blank. Haus vermieten? Ach, das machen wir unterwegs… Die Hundewelpen irgendwie loswerden?  Ach ja, lass uns schnell nach Villarica fahren und sie verschenken…. Hund sterilisieren, damit das nicht nochmal passiert?  Pffff dafür ist jetzt keine Zeit mehr… Ups, noch schnell die Arbeit kündigen, Abschiedsfeier organisieren…. Ersatzteile und Werkzeug für das doch schon in die Jahre gekommene Wohnmobil? Brauchen wir nicht, wird schon nichts passieren…ich nehme noch diese Zange mit, und da ist noch ein Schraubenzieher, das reicht!

Ehrlich gesagt, dieses ganze “Allerletzte Sekunde” Getue war nichts für mich, es hat mich total gestresst. Wallis und Nelson waren total tiefenentspannt, ich hab das aber nicht ausgehalten. Milton und ich haben beschlossen, uns aus dem ganzen “Vorbereitungschaos” der beiden rauszuhalten und uns auf die Reparatur unserer Bremsen zu konzentrieren. Als Gegenleistung zur Unterkunft boten wir an, uns um das Thema Essen zu kümmern. Wir machten also für alle Mittagessen und Abendessen und spülten alles ab, damit sich die Familie auf die Reisevorbereitungen konzentrieren konnte.

Nach einem tollen Abschiedsfest und einigen Verschiebungen des definitiven Abreisetages brachen sie also dann am 09. März endgültig auf. Wer möchte, kann sie auf Instagram unter “sonandosudamerica” verfolgen.

 

Endlich geht die Reise für Nelson und Wallis los…und auch für den Rest der Bande!

 

Mit neuen Bremsen und viel Enthusiasmus begleiteten wir Nelson und Wallis die ersten paar Kilometer, verabschiedeten uns dann und zogen auf eigene Faust wieder.

 

Wasserfall El Claro und Vulkan Villarrica

Ich war froh, endlich wieder on the road zu sein. Wir entschlossen uns nicht sonderlich weit zu fahren und schlugen unser neues Lager in der Nähe eines wunderschönen Wasserfalles auf (Punk 45 in unserer Karte). Es gab eine sehr ebene Wiese, umrandet mit schönem Wald, wo es einfach war einen horizontalen Platz für den Bus zu finden. Wir stellten uns jedoch fernab von jeglichen Bäumen auf, da ein starker Sturm in den nächsten Tagen angekündigt war. Der “Puelche”, wie er in dieser Gegend genannt wird, ist ein typisches Wetterphänomen und besteht meist aus ca drei Tagen heftigen Wind. In der Nacht erfuhren wir, wie mächtig der Puelche werden konnte. Der Bus wurde hin- und hergerüttelt, so dass wir von den heftigen Bewegungen aufwachten und rings im Wald die abbrechenden Äste hören konnten. Es war ungefähr so, wie hoher Wellengang in einem Boot. Es zog und pfiff wie wild. Am nächsten Morgen sahen wir viele starke Äste abgebrochen auf dem Boden liegen, alles war von herabgefallenen Blättern übersät. Nach den drei Tagen Puelche war von einer auf der anderen Sekunde Ruhe. Kein Lüftchen bewegte sich mehr. Wir genossen die Zeit an diesem Platz sehr. Hier waren wir in toller Umgebung bei schönem Wetter von freundlichen Rindviechern begleitet. Wir kochten lecker in unserem Eisenkochtopf und unserem “Dragon”, der Raketenofen. Am Morgen machten wir oft Yoga und wurden von den  Kühen beäugt. Es war eine schöne und ruhige Zeit.

 

Salto El Claro

 

 

Bagual und tierischer Besuch

 

Aber wer nach Pucón und Villarrica fährt macht das natürlich auch wegen dem unglaublich beeindruckenden Vulkan Villarrica. Man stelle sich den “Schneekoppe” Vulkan vor, genauso sieht der Villarrica-Vulkan aus. Zumindest fast. Ich wollte da hoch, natürlich. Aber das ist gar nicht so einfach: Erst muss man sich bei der CONAF (Corporación nacional forestal – die “managen hier die Nationalparks) anmelden und dann zu einem Ausrüster gehen und sich die nötigen Utensilien ausleihen (Eispickel, Steigeisen und Helm, eventuell auch eine Gasmaske wegen der Schwefeldämpfe). Der Vulkan darf nur in Begleitung eines Guides bestiegen werden (und der ist nicht billig), oder, wenn man einen Alpenvereinsausweis hat. (Bitte nicht über die Logik dieser Regelung nachdenken.) Wir hatten einen frisch gedruckten österreichischen Alpenvereinsausweis und mussten uns damit keinen Guide nehmen. Unser Plan war also, mit dem gemieteten Equipment am nächsten Morgen loszulaufen. Wir wollten das Abenteuer zusammen mit Rachel, die wir in Malalcahuello kennengelernt hatten, wagen. Wir trafen uns mit ihr am Busbahnhof – ich erspare euch den Detailbericht, der alle Facetten des chilenischen Lebens mitbeinhaltet….nur ein paar Fragen, aus denen jeder für sich seine Schlüsse ziehen kann: Ist Zeitplanung wichtig? Brauche ich eine Brotzeit zum Wandern? Wäre es sinnvoll, diejenigen, die mich vom Busbahnhof abholen über die genaue Ankunftszeit zu informieren? Brauche ich überhaupt Ausrüstung oder ist das völlig überbewertet in der Bergwelt?

Naja, der Plan war, am Fuße des Villarricavulkans zu übernachten und dann am nächsten Tag da hochzustapfen. Wir fanden auch einen tollen Platz, mit Blick auf den Vulkan. Am nächsten Morgen machten wir auch zeitig los. Nach ca einer Stunde kamen wir zu einer Zwischenstation auf der zwei Parkranger warteten und uns auf Grund von unzureichendem Schuhwerk von Rachel wieder nach unten schickten. Das wars dann, ich war ehrlich gesagt echt sauer. Aber gut, Dinge passieren und vielleicht war es gut so. Es gab auch eine gute Seite dieses nicht vollendeten Abenteuers: Wir freundeten uns mit den zwei Parkranger an und wurden von Alvaro, einem der Ranger eingeladen, das Championsleague Spiel Bayern München gegen Liverpool bei ihm zu Hause anzuschauen. Wenn schon kein Vulkankrater, dann wenigstens Fussball. Und die Bewirtung von Alvaros Frau Roxanna war wirklich herrlich! Churrasca (selbstgemachtes Fladenbrot) mit Butter und Schokoladenkuchen. Wir verschlangen alles wie die Monster. Roxana staunte nicht schlecht, als ich auf den noch warmen Schokoladenkuchen auch noch Butter verteilte. Es war einfach alles sehr lecker (und je mehr Butter – mehr lecker) !! Wir übernachteten dann auch bei Alvaro und Roxana in der Einfahrt und lieferten Rachel am nächsten Tag in Pucón ab, und zogen weiter.

 

Unser Zwischenstationgipfelfoto – bis dorthin und nicht weiter

 

Eingentlich nicht wirklich “weiter”. Wir blieben in Pucón und wollten die Finanzen von Dimension Kombi ein bisschen aufbessern. Da wir unsere Reise natürlich finanzieren müssen, hatten wir uns verschiedene Gedanken gemacht. Einer davon war, Postkarten auszudrucken und gegen eine selbstgewählte Spende zu “verkaufen”. Und da ich mit einem phänomenalen Fotografen reise, suchten wir die schönsten Motive der Reise aus und druckten sie auf Postkartenformat aus.

In Pucón versuchten wir also unser Glück mit den Postkarten.

 

Bagual in Pucón – unser Postkartenstand

 

Um ehrlich zu sein, lief es nicht gut. Naja, aber wie so viele Dinge im Leben, hat ja alles zwei Seiten. Wir lernten eine weitere Persönlichkeit kennen, die unsere Reise um einiges bereichern würde. Rosa, eine Hostalbesitzerin aus Pucón. Sie sah unseren Bus, sprach uns an und wir erzählten ihr von unserer Reise. Spontan lud sie uns ein paar Tage in ihr Hostal in Pucón ein. Sie bot uns sogar ein Zimmer an, aber da wir im Bus total gemütlich eingerichtet sind, blieben wir die drei Nächte im Bus. Rosa erzählte uns viel von ihrem Sohn und der Mapuche, die hier im Süden Chiles heimisch sind. Sie selbst ist Mapuche. Rosa erzählte uns auch von Edelweis. Einer Bekannten, die irgendwo in der Nähe von Curarrehue wohnte und eine Nachfahrin deutscher Auswanderer ist. Irgendetwas  von Rosas Erzählungen faszinierte mich an Edelweis, ohne sie zu kennen. Wer nennt seine Tochter Edelweis? (ja, mit einfachem s) Warum erzählte uns Rosa von ihr? Und wo genau wohnte sie? (In Chile arbeitet man ja nicht mit Adressen, da wird beschrieben wo jemand ungefähr wohnt und dann fragt man sich durch und findet denjenigen dann schon irgendwann.) Und damit kommen wir zum nächsten Kapitel….

 

 

 

 

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