Lago Blanco


  • Junio 19, 2020
Share this :   | | | | |
Lago Blanco

LAGO BLANCO

 

Von Katharina Wittmann

 

Fernando, Odette und ihr Sohn Diego wohnen eigentlich in Porvenir. Hier in Lago Blanco sind sie eigentlich nur über die Sommermonate, weil sie hier Ferienhäuser vermieten. Jetzt aber, auf Grund der Corona-Krise, bevorzugten sie die Abgelegenheit von Lago Blanco. Eine Ansteckung wollten sie so auf alle Fälle vermeiden. Das Aufnehmen von Ulrike, Michael, Santino, Milton und mir war an sich schon ein Risiko für sie, aber sie gingen es ein weil sie uns helfen wollten.  

 

Cerro Cuchilla links und Lago Blanco mit Blick Richtung Südwesten

 

Lago Blanco ist so abgelegen, dass man nicht einfach mal zum Supermarkt gehen kann, weil es nämlich keinen gibt. Wie funktioniert die Versorgung mit Lebensmitteln dort? Ungefähr 13 Kilometer von Lago Blanco entfernt befindet sich die Polizeistation von Pampa Guanaco. Dort fährt ein bis zwei Mal in der Woche ein Bus vorbei, der Pampa Guanaco mit Porvenir (ein ca. 5.000 Einwohner Städtchen) verbindet. Man schreibt also zwei Tage vorher dem Busfahrer eine WhatsApp mit der Einkaufsliste und die Einkäufe werden dann zu der Polizeistation in Pampa Guanaco geliefert. Da die Polizei dort sowieso meist gelangweilt ist bringen sie gerne mit dem Dienstwagen die Einkäufe vor die Haustüre. In den Kisten mit Lebensmitteln befindet sich der Kassenzettel. Die Summe plus eine Aufwandsentschädigung für den Busfahrer überweist man dann auf sein Konto. So einfach ist das! Auf diese Weise versorgten wir uns Woche für Woche mit dem Nötigsten.

 

Brot aus dem Holzofen

 

Aber was heißt mit dem Nötigsten? Da in der Zeit drei Geburtstage zu feiern waren (Michael, Odette und Milton) und zwei deutsche Hausfrauen (naja, heute lass ich mich mal ausnahmsweise so betiteln…) anwesend waren, wurden die Familienrezepte ausgepackt: Brot, Kuchen, Kekse, Pralinen, Marmelade, verschiedene Nachspeisen… jeden Tag gab es eine andere Leckerei! Und unsere Mittag- und Abendessen waren auch nicht gerade bescheiden. Es wechselten sich selbstgefangene Forelle mit geräuchertem Wildpferd und Guanakofleisch ab! Es war ein wirklicher Festschmaus, und das alle Tage! Ab und zu gab es noch Asado mit Lamm und Hühnchen, wir konnten uns nicht beschweren.

Einen Kilometer von den Ferienhäusern entfernt, auch am Ufer des Lago Blanco hatten sich ein paar Gauchos niedergelassen. Sie “wohnten” in Zelten und hatten ein provisorisches Lager mit Tisch, Bänken, einem Regal und einem großen Feuerplatz errichtet. Einer der Gauchos war mit Diego befreundet und bald fuhr ich fast jeden Tag mit dem Fahrrad zu ihnen rüber, um über ihr Leben zu lernen. Sie waren speziell hier, um Wildpferde zu fangen, die sogenannten Baguales (ja, daher kommt der Name unseres VW-Busses). Über die Art und Weise, wie sie die Wildpferde einfingen, möchte ich nicht ausschweifen. Die Überlebensrate der Pferde, die in die Falle tappten war ungefähr 65%. Und ab und zu verfingen sich auch Guanakos in den Fallen. So, jetzt wisst ihr auch, woher wir unser Guanako- und Wildpferdefleisch bekommen haben.

 

Guanako im Eisentopf 

 

Einen anderen Teil unseres Essens konnten wir direkt im See und im nahen Fluss fangen. Es gab dort riesengroße Forellen, ungefähr 50 – 55 cm lang. Im See fingen wir sie mit einer Angel, im Fluss konnte man sie einfach mit dem Kescher aus dem relativ flachen Wasser fischen. Wir machten das hauptsächlich bei Nacht, da man die Forellen im Fluss am Besten mit einer starken Taschenlampe findet. Auf diese Weise hätte man locker 20 Forellen “ernten” können. Wir fischten natürlich nur so viele, wie wir auch essen wollten. Ich lernte auch, die Forellen zu filetieren; früher hatten wir sie einfach komplett gebraten, oder in Scheiben geschnitten (erzählt das bitte keinem Angler).

In Lago Blanco verbrachten wir insgesamt fünf Wochen. Die ersten zwei Wochen waren unsere obligatorische Quarantäne, die wir machen mussten, weil wir aus Argentinien kamen. Für uns war es nach den drei Wochen auf dem Campingplatz in Ushuaia die zweite Quarantäne. Lago Blanco war eine schöne Zeit, aber jede schöne Zeit geht zu Ende und wir hatten das Gefühl, weiterfahren zu wollen. Ohne genaues Ziel machten wir Bagual reisefertig und fuhren Mitte Mai Richtung Porvenir davon!

 

 

 

Leave a reply