JUBILÄUM BEI DIMENSION KOMBI – EIN JAHR UNTERWEGS!


  • Noviembre 19, 2019
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JUBILÄUM BEI DIMENSION KOMBI – EIN JAHR UNTERWEGS!

JUBILÄUM BEI DIMENSION KOMBI – EIN JAHR UNTERWEGS!

 

Von Katharina Wittmann

 

Ein Jahr sind wir unterwegs! Was für eine unglaubliche Zeit! Ich kann es eigentlich gar nicht glauben. Ein Jahr lang leben wir nun schon in unserem VW-Bus Bagual. Es ist der reine Wahnsinn! Und wo sind wir? In Puerto Octay! Knapp 1000 Kilometer südlich von Santiago. Gut, man kann die Strecke auch an einem Tag in einem normalen Auto zurücklegen, wenn man etwas aufs Gas geht, aber man kann die Strecke auch in einem Jahr schaffen. Gemütlich. Nochmal zur Erinnerung hier eine grobe Karte, um unsere Route zu sehen:

 

Ein Jahr, ca 7000 km

 

Doch eigentlich ist Milton und mir nicht wirklich zum Feiern zumute. Zu krass sind die Dinge, die gerade in Chile passieren. Die Massenproteste für ein besseres Leben, für mehr Gerechtigkeit, bessere und bezahlbare Ausbildung, für Löhne und Renten, die das Überleben sichern, für bezahlbare medizinische Versorgung, für mehr Menschlichkeit in dieser Zeit. Die Proteste und Demonstrationen durchziehen das ganze Land; die Politik reagiert mit der Erklärung des Ausnahmezustandes, mit Ausgangssperren, Militär und Polizei in den Straßen. Es erinnert stark an die Zeiten der chilenischen Diktatur.

 

Vor einem Jahr haben Milton und ich Santiago verlassen, aus ähnlichen Gründen, die die Proteste hervorgerufen haben: Das Leben in Chile und besonders Santiago ist sehr teuer, Arbeit oft nicht gut bezahlt und frustrierend, Löhne und Lebenshaltungskosten stehen in keinem Verhältnis, die Atmosphäre auf der Straße ist aggressiv, jeder ist sich selbst der Nächste, die Luftverschmutzung ist allgegenwärtig, die U-Bahn rund um die Uhr überfüllt. Sicher ging es uns nicht annähernd so schlecht wie dem Großteil der chilenischen Bevölkerung, die jetzt auf die Straße geht. Aber auch wir haben die Unzufriedenheit gespürt und hatten aber den großen Luxus, uns den Absprung leisten zu können.

 

Es sind sehr turbulente Zeiten in dem ehemals als “stabil” bezeichneten Chile. Wir hoffen auf eine baldige Änderung zu Gunsten der chilenischen Bevölkerung.

 

Auch durch die Unruhen im Land merken wir, dass unser Luxus einfach nicht selbstverständlich ist. In keinem Land – auch nicht in Deutschland. Und wir merken, dass wir auch jetzt – im Bus – alles haben, was wir brauchen. Es fehlt uns an nichts. Vorgestern kamen Sebastian und Elisabeth im Restaurant vorbei. Sie sind seit eineinhalb Jahren mit dem Fahrrad und ihrem Sohn von Bogotá aus in Richtung Ushuaia aufgebrochen (Instagram: losviajesdekarim). Sie sahen unseren Bus und beneideten uns um so viel Platz (!) und Luxus. Und sie haben Recht!

 

Wir setzten uns mit Fabien und Charlotte – zwei Franzosen, die auch mit einem VW Bus unterwegs sind – und den drei Radfahrern zwischen Bagual und Amunche (die zwei Busse) zusammen und verbrachten den Abend mit Reisegeschichten und einem Glas Wein. Das sind Momente, die sind einfach unbezahlbar. In Santiago hat uns das gefehlt, dieses bedingungslose Vertrauen in die andere Person, jemanden nicht nach dem Äußeren zu beurteilen, zu wissen, der Andere wird einen nicht ausrauben etc…

 

So schön unter Reisenden zu sein! Fabien und Charlotte links und Sebastian, Eliza mit dem kleinen Karim rechts.

 

Trotz der angespannten Situation in vielen chilenischen Städten fanden wir einen Abend, an dem wir mit Fabien und Charlotte bei einem kleinen Asado (grillen) unser einjähriges Jubiläum feierten.

Und mein neues Hobby konnte endlich auch anlaufen: Fischen! Am Ufer des riesigen Llanquihue-Sees, ca 10 km vom Restaurant entfernt, gibt es DEN Fischerspot! Ein Steg, der weit ins Wasser hinausragt und sich optimal eignet! Mit Fabien und Charlotte fischten wir am ersten Tag zwei Percas und zwei Lachse! Unglaublich! Auch unsere weiteren Fischerausflüge waren von Erfolg gekrönt. Natürlich wurden die Fische auch verspeist. Es gibt ja auch nichts besseres als einen selbst gefangenen Fisch zu essen.

Eine “Perca”  frisch aus dem Llanquihue See

Unser folgernder Fischerausflug war auch von Erfolg gekrönt. Ein schöner Lachs konnte meinen Anglerkünsten einfach nicht widerstehen, wehrte sich aber dann doch sehr heftig und brach meine Angel nicht entzwei, sondern entdrei! Es war ein legendärer Kampf, der am Ende mit einem festlichen Mahl beendet wurde. Gegrillter Lachs gefüllt mit angeschmorten Kräuterzwiebeln. Lecker!

Lachs mit Zwiebeln überm Grill

Das Fischen war natürlich eine schöne Abwechslung für zwischendurch. Natürlich hatte Bagual mal wieder einen Überraschung für uns bereit. Die “polea”, oder Keilriemenscheibe (?) hat sich zerstört, ist in zwei Teile gesprungen und hat einen Luftschlauch im Motorraum durchtrennt und natürlich den Keilriemen durchgeschnitten. Es ist immer was geboten mit diesen Bussen. Langweile gibt es nicht! Es war gar nicht so einfach, die Keilriemenscheibe aufzutreiben. In Frutillar und Puerto Montt hatte sie kein Ersatzteilhändler vorrätig und Santiago war ja in diesen Tagen sowieso schwierig. Und dann kam uns Kombi Mestiza zur Hilfe. Kombi Mestiza sind Franco und Marita, wir kennen sie aus Santiago und waren dort auf ihrer Abschiedsfeier, als sie kurz vor ihrem Reisestart von Chile nach Alaska mit ihrem VW-Bus (mit dem Namen “Mestiza”) waren. Sie antworteten auf einen Facebook-Post von Milton und boten uns ihre Ersatz-Keilriemenscheiben an. Wir mussten sie nur in Puerto Montt abholen. Das taten wir dann auch gleich am nächsten Tag und fuhren mit dem öffentlichen Bus nach Puerto Montt und trafen uns mit Franco und Marita. So schön uns nach so langer Zeit wieder zu sehen und unsere Erlebnisse auszutauschen!

Dann verabschiedeten wir Fabien, Charlotte und ihren Bus Amunche Richtung Puerto Montt zum Mechaniker. Milton hatte einen fehlerhaften Zylinder diagnostiziert und der Motor musste definitiv ausgebaut werden, um den fehlerhaften Zylinder zu ersetzen und eventuell noch weitere notwendige Reparaturen durchzuführen. Mit drei Zylindern fuhren sie hier am Restaurant los und kamen mit noch zwei funktionierenden Zylindern in Puerto Montt an. Unglaublich, diese Busse fahren einfach auch noch mit der Hälfte der Zylinder…

Bei uns ging es weiter mit vielen Projekten: Bagual bekam mehr Stauraum in Form von Taschen an den Innentüren. Diese nähte ich aus Stoffresten, die von unseren Vorhängen übrig geblieben waren. Milton sorgte mit kleinen drehbaren Hölzchen dafür, dass unsere Schubläden nicht mehr unter der Fahrt aufgingen. Der Stauraum unterhalb der Rückbank wurde mit zwei Trennwänden unterteilt, damit nicht immer alles unordentlich und unauffindbar dort verschwindet. Mit Milton zusammen baute ich einen Hühnerstall für das ortsansässige Federvieh. Milton schweißte an einem stabileren Dachträger, um unsere Dachlast sicherer zu transportieren. Währenddessen bereiteten wir die Bühne für das kleine Outdoorfest hier im Espantapájaros vor; Milton designte den Bühnenaufbau und sorgte für dessen Verwirklichung, ich machte mich nützlich beim Streichen von den dafür benötigten Hölzern. Und, klar, ich bereitete mich natürlich auch für meine Arbeit als Reiseleiterin vor, die Ende November beginnen wird. Das ist ja auch immer sehr spannend für mich und ich freue mich auf die neuen Gruppen.

 

Hier zeige ich euch noch ein paar Bilder der letzten Tage:

 

 

 

 

 

 

Comments (2)

Klaus M.

22 Noviembre, 2019 <i class="fa fa-mail-reply"></i> Reply

Hey Katharina, herzlichen Glückwunsch zum Einjährigen! Ich beneide und bewundere euch gleichzeitig. Herzliche Grüße vom alten Klaus.

    admin

    21 Diciembre, 2019 <i class="fa fa-mail-reply"></i> Reply

    Mensch Klaus! Schön von dir zu hören! Danke für deine Glückwünsche! Ich hoffe es geht Dir gut und du bist so fit wie vor einem Jahr. Ich denke oft an die Tour, es hat so viel Spass gemacht!
    Liebe Grüsse aus dem Süden!

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