FEUERWEHR, FEUERWEHR, FEUERWEHR


  • Julio 27, 2019
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FEUERWEHR, FEUERWEHR, FEUERWEHR

FEUERWEHR, FEUERWEHR, FEUERWEHR

 

Von Katharina Wittmann

 

Wer meinen letzten Blogeintrag gelesen hat, kennt ja unser Projekt mit den Vorträgen für die Feuerwehren in Chile. Seit Anfang des Projekts am 23. Juni haben wir fünf Feuerwehren besucht und mehr als 110 Feuerwehrmänner nahmen an einer der Veranstaltungen teil. Wir sind sogar wieder über 300 Kilometer in den Norden gefahren, von Puerto Varas nach Temuco, um eine Feuerwehrkompanie in Temuco zu besuchen, um dann wieder Richtung Süden zu starten. (Unsere Route ist immer aktuell hier zu verfolgen) Aber schon jetzt, nach nur fünf Vorträgen hat sich das Projekt in einen unglaublich wichtigen und bestimmenden Teil der Reise verwandelt. Denn die Organisation des Ganzen impliziert generell mehrere Tage Arbeit und oft verbringen wir bis zu einer Woche in dem jeweiligen Feuerwehrquartier. Das heißt mitunter, dass wir auch in der Nachtwache schlafen, alle Funkgespräche und Alarme mitbekommen und auch die Küche mit der Wache teilen. Eine sehr intensive Erfahrung!

 

In Temuco zum Beispiel wurden wir sozusagen von der ersten Feuerwehrkompanie adoptiert, nachdem wir die erste Nacht in Labranza verbracht hatten. Labranza ist ein kleiner Vorort von Temuco, ungefähr 20 Kilometer westlich der Stadt. Uns war ein Haus mit Parkplatz von einem Feuerwehrmann angeboten worden. Natürlich waren wir sehr froh darüber. Endlich dem Regen entfliehen, alles waschen und trocknen zu können und vielleicht auch eine Küche zur Verfügung zu haben. Als wir ankamen stellten wir fest, dass das angebotene Haus und der Parkplatz wirklich nicht mehr waren als “Haus und Parkplatz”. Es war ein Haus, ja, das kann man nicht leugnen. Winzig zwar, aber es gab definitiv eine Haustür, vier Wände, eine Treppe, ein Dach. Aber sonst war auch absolut nichts drin. Kein Bett, kein Tisch, kein Sofa, kein Stuhl, keine Küche. Es gab keinen Strom und kein Gas. Der einzige Luxus war eine funktionierende Toilette. Und, ja, der Parkplatz war auch da. Der Bus passte gerade so rein. Wir waren also nicht sehr gemütlich und beschlossen nach einer Nacht nach Temuco zu fahren und in einer der Feuerwehren zu fragen, ob wir dort schlafen könnten. Und da nahm uns die erste Kompanie von Temuco auf und bot uns sogar ein Bett in der Nachtwache an.

 

Unser “Lager” in Labranza, hier beim Frühstück. Gemütlich ist was anderes:)

 

Wir kamen in einer Zeit an in der sehr viel Aktivitäten der Kompanie geplant waren (Formationen, Märsche, Übungen auf der Wache, etc..). Nach den jeweiligen Aktivitäten gab es immer ein kleines Zusammenkommen im Gemeinschaftssaal der Kompanie. Es gab Empanadas, Glühwein und Piscola und die ein oder andere spätnächtliche Billardpartie. Und wir wurden immer eingeladen und verbrachten eine echt schöne Zeit in Temuco.

Auch in Niebla “wohnten” wir quasi im Quartier und schauten zusammen mit allen die Partien der chilenischen Fussballnationalmannschaft in der Küche der Wache an. Auch hier schliefen wir in der Nachtwache.

 

Weiter ging’s nach Paillaco. Cristian Yaeger, der Direktor der ersten Feuerwehrkompanie von Paillaco, lud uns am ersten Tag unseres Aufenthalts zum Abendessen ein und kochte am nächsten Tag zu Mittag für uns (Sahen wir möglicherweise etwas abgemagert aus??)

Nach einigen Tagen in Paillaco (und einer Nacht, die wir freiwilligerweise auf dem Parkplatz einer Polizeiwache verbracht hatten) fuhren wir wieder nach La Unión, wo wir unser Projekt begonnen hatten. Das Kulturzentrum von La Unión hatte uns um eine Wiederholung des Vortrags gebeten, damit noch mehr Feuerwehrmänner der Region teilnehmen können und, damit die Feuerwehr die Möglichkeit bekommt, das Kulturzentrum kennenzulernen. Es kaum zu glauben, aber in diesem Mini-Kulturzentrum lagert das zweitgrößte Fotoarchiv Chiles mit Aufnahmen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts! 

 

Da das Wetter immer noch typisch “Winter im Süden Chiles” war, quartierte uns freundlicherweise die fünfte Kompanie aus La Unión in ihrer Wache ein. Dort schliefen wir im Bus, hatten aber eine große Küche mit Heizung und Internetverbindung für uns. Langweilig wurde uns also nicht. Aber mit dem Bus wird uns sowieso nicht langweilig. Denn – natürlich – dachte sich Bagual wieder eine Unterhaltung für uns aus. Dieses Mal war es die Lenkachse, die sich ziemlich verbogen hatte. Das passiert, wenn man das Lenkrad bewegt, ohne den Bus nach vorne oder hinten zu fahren. Dann bekommt die Achse zu viel Kraft ab und verbiegt sich. Irgendeine Schweißnaht hatte sich auch gelöst.

 

Mit viel Elan planten wir also den morgigen Tag, der mit einem Besuch in der Werkstatt beginnen sollte. Am nächsten Morgen wachten wir dann auf und stellten fest: Es war Feiertag. Nagut, kann man ja mal vergessen. Also verbrachten wir den Tag mit Büroarbeit in dem einzig beheizten Raum in der fünften Kompanie in La Unión. Wir machten einen kleinen Spaziergang. Hier kann man viel deutsche Architektur aus den ca. 40/50 er Jahren sehen. La Unión hat, wie viele kleine Dörfer im Süden in Chile einen sehr starken deutschen Einfluß. Ende des 19. Jahrhunderts kamen auch hier viele Deutsche an. Ihnen wurde Land gegeben (Urwald), dass sie auf irgendeine Art und Weise bewirtschaften mussten. Die Nachfahren derer, die es geschafft haben ihr Land urbar zu machen und sich dem rauen Klima anzupassen, sind hier noch immer zumindest durch den deutschen Nachnamen vertreten. Auch die Feuerwehrkompanie, in der wir zu Gast sind, wurde von Deutschen gegründet. Ganz beiläufig zeigten mir einer der Feuerwehrmänner die originale Gründungsurkunde der Kompanie von 1925, die natürlich noch auf Deutsch verfasst war. Es war noch niemand auf die Idee gekommen, dieses Schriftstück zu übersetzen, also machte ich das einfach. Wir versuchen immer, den Orten und den Menschen, die uns aufnehmen etwas zurückzugeben.

 

Hier ein paar Eindrücke von den letzten Wochen (La Unión, Temuco, Niebla, Paillaco, La Unión):

 

 

 

Comments (2)

Gaby

29 Julio, 2019 <i class="fa fa-mail-reply"></i> Reply

Eure Fotos sind toll! Besonders schön ist die Kuh mit Sonnenuntergang! Freue mich auf mehr,Alles Gute für Euch und liebe Grüße von Gaby Stöckmann

    admin

    29 Julio, 2019 <i class="fa fa-mail-reply"></i> Reply

    Hallo Gaby! Ach, ich freue mich von Dir zu hören! Ja, die Kuh hat mir auch sehr gut gefallen! Ich hoffe es geht dir gut und die Bilder bringen ein paar schöne Erinnerungen an Deine Reise nach Chile mit. Liebe Grüße aus Puerto Octay (Bericht kommt bald)!

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