CALETA MARÍA


  • Julio 02, 2020
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CALETA MARÍA

CALETA MARÍA

 

Von Katharina Wittmann

 

Unser Plan war es nach unserer Abfahrt aus Lago Blanco einen Ort zu finden, an dem wir den Winter verbringen konnten. Das heißt, ein Haus, eine Hütte, mit Dach, Wasser und Heizung. Und das ist in Zeiten von Corona gar nicht so einfach… Die Leute sind reservierter gegenüber Reisenden und viele verstehen nicht, dass unser Bus unser Zuhause ist und wir kein festes Haus unser Zuhause nennen können. Nach Lago Blanco verbrachten wir vier Nächte im Bus. Und es war eine harte Zeit. Die Kälte setzte uns zu und generell die wenigen Sonnenstunden. Die Kälte der nacht war nicht das Problem, aber am Tag, besonders wenn die Sonne gar nicht durch die Wolkendecke schauen wollte, war es einfach eiskalt, da wir im Bus hockten und fuhren und uns nicht bewegen konnten. Duschen war undenkbar. Gegessen haben wir die Vorräte, die wir aus Lago Blanco mitgenommen hatten und die uns Ulrike und Michael mitgegeben hatten. Ehrlich gesagt waren wir ziemlich deprimiert in dieser Zeit im Bus. Aber auch das änderte sich. In der ersten Nacht klopfte eine Person an unser Fenster und nach ein paar gewechselten Worten hatten wir einige Tipps, wo wir nach einem Winterquartier suchen konnten.

 

Draga Aurifera – Eine Goldwaschanlage, die 1904 aus England hier auf Feuerland ankam. Eine Zeitzeugin vergangener Tage.

 

Am nächsten Tag kontaktierten wir Ivette. Sie ist verantwortlich für Caleta María, eine kleine Hütte am Ende des Almirantazgo Fjordes. Wir telefonierten zusammen und Ivette akzeptierte unser Angebot gegen Arbeit ein Winterquartier zu bekommen. Am übernächsten Tag trafen wir uns dann mit Julio, der Besitzer von Caleta María. Mit ihm zusammen traten wir die lange Reise über die zwei mittlerweile schon verschneiten Bergketten Richtung Süden an. Wir schöpften wieder Hoffnung. Schaut euch einmal auf der Karte an wo Caleta María liegt! Schon allein der Weg dorthin war wunderschön! Aber auch eigentlich mit dem Bus nicht möglich… Da die zwei Bergketten schon verschneit waren, mussten wir Bagual mit dem Pickup-Truck von Julio hochziehen. Das war nicht ganz ungefährlich meiner Ansicht nach. Und das Runterfahren war auch nicht ohne. Aber Milton war wie immer ein exzellenter Pilot und hat alles sehr gut gemeistert.

 

Bagual auf seinem ersten Schnee-Gipfel! Was für eine Leistung!

 

Wir kamen erschöpft von den letzten Tagen und von der Fahrt nach Caleta María an und lernten Cesar kennen. Er ist die ganze Zeit über hier und macht alle anfallenden Arbeiten.Wir verbrachten das lange Wochenende also mit Julio und Cesar (und einem Hund und einer Katze) in Caleta Maria, mit Holzofenheizung und Dach über dem Kopf. Am Sonntag fuhren Julio und überraschender Weise auch Cesar ab nach Punta Arenas. Wir waren also die ersten zwei Wochen alleine in Caleta María. Und wir haben es genossen. Jeden Tag am morgen fuhren wir mit einem kleinen Allrader raus ans Ufer  des Fjordes und kontrollierten ein Fischernetz nach Lachsen oder sammelten Muscheln fürs Mittagessen ein. Dann holten wir eine Ladung Schwemmholz und hackten es mit der Axt in ofengerechte Stücke.

 

Milton bei einer unserer wichtigsten Arbeiten: Feuerholz machen. Die Stämme sind außen zwar nass, aber innen trocken. 

 

Meistens kochten wir dann Mittagessen und nutzten das restliche Tageslicht um einen Spaziergang zu machen oder in der warmen geheizten Küche ein Buch zu lesen. Wir brauchten diese Ruhe. Es war schön, hier alleine zu sein. Wir hatten unseren Rhythmus und genossen die Natur um uns herum. Ohne Handynetz, ohne Elektrizität. Licht gab es nur von der Sonne und ein bisschen Strom durch Solarenergie. Die Solarenergie hielt sich aber in äußerst minimalen Grenzen. Wir gewöhnten uns sehr schnell daran, und benutzten zum Lesen unsere Stirnlampen, die wir alle drei Tage im Bus (auch mit Solarenergie) aufladen konnten.

 

Caleta María – unser Zuhause für insgesammt drei Wochen

 

Nach 2 Wochen kam Cesar zurück. Und von diesem Moment an hat sich alles geändert. Der Cesar, den wir vor zwei Wochen kennengelernt hatten war nett, flexibel, weltoffen, irgendwie ein Hippie-Typ. Jetzt lernten wir eine andere Seite kennen. Es musste plötzlich alles nach seiner Nase gehen, keinerlei Flexibilität, keinerlei Verständnis dass gewisse Dinge auch anders gemacht werden können. Wir arbeiteten zwei Tage lang wie die Ochsen um Feuerholz zu machen. Eigentlich eine schöne Arbeit, aber mit Cesar hat es sich nicht gut angefühlt. Und darauf hatten wir sicher keine Lust. Milton und ich scheuen keine Arbeit, besonders, wenn wir zur Verbesserung der Lebensqualität eines Ortes beitragen können. Aber den ganzen Winter mit einem bipolaren Typen isoliert sein, nein danke! Und es war immer noch nicht klar, ob wir uns das Essen irgendwie selber organisieren müssen (etwas schwierig hier) oder es für uns inkludiert ist. Zwischen Ivette, Julio und Cesar gab es nur widersprüchliche Aussagen und keiner wollte sich festlegen. Es war, wie man auf gut chilenisch sagt, eine “bolsa de gatos”. Ein Sack voller Katzen, oder einfach ein großes Chaos, an dem wir definitiv nicht teilhaben wollten. Also war klar: Wir müssen weg hier! Jetzt!

Problem: Nie im Leben schafft es Bagual alleine über die Berge. Selbst wenn wir Schneeketten hätten, wäre es zu gefährlich, alleine loszufahren.

Wir fuhren trotzdem….

 

 

 

 

 

Comments (2)

Anne Krieg

17 Julio, 2020 <i class="fa fa-mail-reply"></i> Reply

Das ist ja spannend!! Erinnert mich an das Buch "Spuren von Feuer". Leben wie in der Steinzeit, naja so ähnlich ? Abseits von jeder Zivilisation. Ihr seid sehr mutig und bewundernswert!...und wie geht's weiter? Kommt gut über die Berge. Freue mich auf den nächsten Bericht. Liebe Grüsse von Reiner und Anne aus Berlin

    admin

    26 Julio, 2020 <i class="fa fa-mail-reply"></i> Reply

    Anne! Hallo!
    Ja, das war wirklich sehr abseits der Zivilisation. Aber ich sag dir, was wir oft Zivilisation nennen, ist genau das, wovon wir eigentlich ein bisschen "fliehen". Das "Unzivilisierte" oder "Wilde" ist oft menschlicher als die sogenannte Zivilisation. Verstehst du, was ich meine?
    ....der nächste Bericht kommt bald!!!
    Liebe Grüße an euch!

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